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BERLIN ALEXANDERPLATZ     |     DER VERDACHT


ALFRED DÖBLIN
BERLIN
ALEXANDERPLATZ

DIE GESCHICHTE VON FRANZ BIBERKOPF

DIES IST DIE GESCHICHTE VON FRANZ BIBERKOPF, DER AUS DEM GEFÄNGNIS KOMMT UND SICH VORNIMMT, ANSTÄNDIG ZU SEIN, DER ABER ZWANGSLÄUFIG IMMER WIEDER IN SCHWIERIGKEITEN GERÄT. SIE PASST IN UNSERE ZEIT. DIE KRISEN DER SPÄTEN 20ER JAHRE UNTERSCHEIDEN SICH IN VIELERLEI HINSICHT VON DEN GEGENWÄRTIGEN, DOCH DAMALS WIE HEUTE: DIE ZEITEN SIND SCHLECHT, DAS VORHERRSCHENDE GEFÜHL: WIR SIND VERLIERER. IN EINEM SPIEL, DAS WIR NICHT SELBST ENTSCHEIDEN.


 

27. September bis 15. November 2009

PREMIERE: 26. September 2009
im Sachsenwald-Forum Reinbek


Auf Wunsch wird vor der Aufführung
eine kostenlose Einführung angeboten.

 

ZUM STÜCK

„Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.“ (Karl Marx, 6. These über Ludwig Feuerbach)

Franz Biberkopf hat einen fürchterlichen Fehler begangen.
Er hat sich auf schlechte Gesellschaft eingelassen und in einem Moment der Raserei seine ehemalige Geliebte getötet. Infolgedessen verbrachte er vier Jahre im Gefängnis. Nun ist er frei und eine einzige Idee beherrscht sein Denken: Er will ein anständiger Bürger sein.
Seine Ansprüche sind nicht übertrieben: eine Frau, die er lieben kann, und eine anständige Arbeit. Er ist körperlich gesund und schreckt vor harter Arbeit nicht zurück.
Er weiß, es wird nicht einfach sein. Soeben aus dem Gefängnis entlassen, lauten seine ersten Worte, als er aus dem Tor der Strafanstalt Berlin-Tegel tritt: „Freiheit – die Strafe beginnt“. Kurze Zeit später betritt Franz Biberkopf das Durcheinander des Alexanderplatzes.
Man schreibt das Jahr 1927, neun Jahre nach der blutigen Niederschlagung der Novemberrevolution, vier Jahre nach der Inflation 1923/1924, zwei Jahre vor dem schwarzen Freitag 1929, dem Börsen- und Bankenkrach.


ZUR THEMATIK

Die Geschichte des Transportarbeiters Franz Biberkopf, der, aus der Strafanstalt Berlin-Tegel entlassen, als ehrlicher Mann ins Leben zurückfinden möchte, ist das erste deutsche Großstadt-Theaterstück von literarischem Rang. Das Berlin der zwanziger Jahre ist der Schauplatz des Geschehens. Die Großstadt selbst wird zum Gegenspieler des gutmütig-jähzornigen Franz Biberkopf, der dieser verlockenden, aber auch unerbittlichen Welt zu trotzen versucht. Hier wird nicht nur ein Einzelschicksal analysiert, sondern das kollektive Geschehen, das Allgemeine der menschlichen Situation in einer Zeit, welche der heutigen sehr ähnelt.
In Berlin Alexanderplatz wird das „Gemeinwesen einer Großstadt“ dargestellt. Man erfährt nicht nur Parallelen, sondern auch eine unglaubliche gültige dichterische Gestaltung. Das Werk zählt zu den großen Stoffen unserer Zeit.

Der Alexanderplatz, im Herzen Berlins gelegen. Nur wenn man lange genug auf ihm bleibt, trifft man zwangsläufig auf alte Freunde, Feinde und Bekannte. Am Alexanderplatz trifft Franz Biberkopf auf die Schwester der Frau, welche er vor vier Jahren tötete.


POLITISCHE HINTERGRÜNDE

Damals
1923/24 – 1929

2,8 Millionen Arbeitslose.
Der Berliner Polizeipräsident versucht, ein Demonstrationsverbot am 1. Mai mit Waffengewalt durchzusetzen.

1923/24 Inflation.
Die Zahl der Arbeitslosen steigt.
Parallel laufen die goldenen zwanziger Jahre.
Ernst Toller hat mit der Piscator-Inszenierung „Hoppla, wir leben“ 1929 Premiere im Theater am Nollendorfplatz.
Otto Dix und George Grosz charakterisieren expressionistisch die Gesellschaft.
Der junge Bertolt Brecht etabliert sich in bürgerlichen Künstlerkreisen mit beißender Kritik.
Franz Biberkopf, die Figur Alfred Döblins, beschäftigt sich nicht mit Kunst. Er ist zu sehr damit beschäftigt, Arbeit zu suchen.

1929. Schwarzer Freitag an der New Yorker Börse löst die Weltwirtschaftskrise aus. Diese umfasst die Industrie: (minus 47 Prozent in Deutschland), die Landwirtschaft (minus 30 Prozent) und den Handel.
Das Finanzsystem schwankt.
In 56 Staaten kommt es zur Geldentwertung.

Die Arbeitslosigkeit erreicht 1932 den Höhepunkt: 6 Millionen Arbeitslose.
Systematische Senkung des Arbeitslosengeldes und anderer Sozialleistungen.

Die Parteienzersplitterung der Weimarer Republik macht das Regieren schwierig
Heute
2008/2009

NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

DKP im Landtag von Niedersachsen.
Finanzkrise und Rezession in den Vereinigten Staaten schwappen auf Europa über.
Das Erdbeben auf den Finanzmärkten rüttelt an den Grundfesten der Weltfinanzordnung.

Im Juli 2007 gibt die IKB eine Gewinnwarnung heraus.

2008: Immer mehr Bankhäuser rutschen in die roten Zahlen.
3,5 Millionen Arbeitslose im März 2008.
130.000 Arbeitnehmer sind trotz Beschäftigung abhängig von Hartz IV.
Rentenerhöhung im Juli 2008: 1,1%.
Erhöhung der Abgeordnetendiäten: 9,4%.

Sommer 2008: Daimler und BMW geben eine Gewinnwarnung heraus.

Die Wahlbeteiligung bei Wahlen sinkt drastisch. Nicht Politik-, sondern Politikerverdrossenheit sind die Gründe.

Das Aufkommen des 5-Parteien-Systems in Deutschland erschwert die Regierungsbildung in Bund und Ländern.

MUSIKALISCHE EINLAGEN IM STÜCK.

Das Ensemble singt:

„Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verloren …“

„Mit den Händchen klapp, klapp, klapp,
mit den Füßchen trapp, trapp, trapp …“
(Engelbert Humperdinck)

„Es braust ein Ruf wie Donnerhall …“

„Die Wacht am Rhein …“

„Wenn die Soldaten in die Stadt marschieren …“

„Ich hatt’ einen Kameraden …“
u.a.m.


Wittwulf Y. Malik
ist unser Hauspianist.

Er ist Komponist, Pianist, Cellist und Hochschullehrer. Für unsere Produktion „ES WAR DIE LERCHE“ und „DER TRAUSCHEIN“ hat er die musikalische Einrichtung mit dem Ensemble probiert.

Wittwulf Y. Malik wird mit dem Ensemble „BERLIN ALEXANDERPLATZ“ mit einzelnen Schauspielern und dem gesamten Ensemble die (teils weltbekannten) Lieder einstudieren.

 


Besetzung

FRANZ BIBERKOPF PETER RAUCH
JUSTIZBEAMTER UWE MICHAEL WIEBKING
ARZT RIMBERT SPIELVOGEL
PASSANT REINHARD HORRAS
MECK ANDREAS EDELBLUT
LÜDERS RIMBERT SPIELVOGEL
WITWE INGRID RICHTER
WIRT REINHARD HORRAS
FRAU KARIN KIURINA
MANN ANDREAS EDELBLUT
REINHOLD RAINER ETZENBERG
PUMS REINHARD HORRAS
KLEMPNER KARL RIMBERT SPIELVOGEL
MAXE ANDREAS EDELBLUT
HERBERT UWE MICHAEL WIEBKING
EVA KARIN KIURINA
MIEZE NELE HOLLINDERBÄUMER
UNTERSUCHUNGSRICHTER ANDREAS EDELBLUT
KIMINALBEAMTER IN ZIVIL REINHARD HORRAS
TOD (ROLLE DES REINHOLD) RAINER ETZENBERG


 

RECHTE: GUSTAV KIEPENHEUER BÜHNENVERTRIEBS GMBH BERLIN


PETER RAUCH
"FRANZ BIBERKOPF"


NELE HOLLINDERBÄUMER
"MIEZE"


KARIN KIURINA
"EVA"


REINHARD HORRAS
"PUMS"


UWE MICHAEL WIEBKING
"HERBERT"


RAINER ETZENBERG
"REINHOLD"

 

Manfred H. Greve, Sülldorfer Kirchenweg 78, 22587 Hamburg, Tel.: 0 40 / 8 66 36 01, Fax: 0 40 / 86 95 04
E-Mail: theater.greve@t-online.de