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BERLIN ALEXANDERPLATZ
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DER VERDACHT
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FRIEDRICH
DÜRRENMATT
DER VERDACHT
KRIMINALSTÜCK NACH DER NOVELLE „DER VERDACHT“
DASS DIE LITERATUR SPRENGSTOFF IST,
WILL UNSERE GESELLSCHAFT
NICHT WAHRHABEN.
(FRIEDRICH DÜRRENMATT)
INSZENIERUNG: MANFRED H. GREVE
BÜHNE: HORST STRASSER
TONTECHNIK: LOTHAR ADOLPHI
PRODUKTIONSASSISTENZ: REINHARD HORRA S |
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11. Februar bis
25. April 2010
PREMIERE: 11. Februar 2010
im Stadttheater Neumünster
Auf Wunsch wird vor der Aufführung
eine kostenlose Einführung angeboten. |
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Handlung
Kommissar Bärlach, am Ende seiner Polizeikarriere
angekommen und an Krebs leidend, erholt sich im Krankenhaus von einer
Operation. Dort wird er Zeuge, wie sein Freund und Arzt Samuel
Hungertobel beim Anblick eines Fotos im Magazin Life erbleicht und
irritiert scheint. Der Abgebildete soll der deutsche Arzt Nehle sein,
der in Konzentrationslagern grausame Operationen an Häftlingen
vorgenommen hat, ohne sie zu narkotisieren, und sich 1945 umgebracht
hat. Hungertobel erkennt eine große Ähnlichkeit mit seinem
Studienkollegen Emmenberger, der während des Krieges in Chile war.
Bärlach schöpft Verdacht, dass Nehle und Emmenberger die Rollen
getauscht haben könnten. Er prüft Interpol-Dokumente und
Veröffentlichungen von Nehle/Emmenberger und befragt den Juden Gulliver,
der das Konzentrationslager überlebt hat und nach dem Krieg auf eigene
Faust im Untergrund Naziverbrecher jagt. Am wahrscheinlichsten erscheint
Bärlach, dass Emmenberger unter Nehles Namen die Verbrechen im
Konzentrationslager begangen hat und nun unbehelligt die Privatklinik
Sonnenstein bei Zürich führt. Diesen Verdacht lässt er von dem
Journalisten Fortschig in dessen Zeitschrift „Apfelschuss“
veröffentlichen und begibt sich selbst unter falschem Namen als Patient
in Emmenbergers Klinik, in der Hoffnung, der psychisch unter Druck
gesetzte Emmenberger möge sich selbst verraten. Emmenberger ist auch
wirklich der Täter, doch Bärlachs Plan geht nicht auf, denn schnell
verliert Bärlach jegliche Kontrolle über die Situation. Emmenberger ist
völlig skrupellos und wird von absolut ergebenen Mitarbeitern
unterstützt. Er hat bereits Fortschig töten lassen und plant, nun auch
Bärlach mit einer seiner berühmten Operationen zu beseitigen, doch
Gulliver greift ein und tötet Emmenberger.
Dürrenmatt gelingt es, mit dem krebskranken Berner
Kommissar Bärlach eine Detektivfigur von alttestamentarischer Wucht zu
schaffen und diese zugleich ironisch in Frage zu stellen. Der vom
Detektivroman implizierte Zusammenhang von Moral und Logik wird ad
absurdum geführt; zugleich eröffnen Dürrenmatts Stücke stets
philosophische Perspektiven auf das Verhältnis von Recht und Moral, auf
die Ursache des Bösen und auf die Möglichkeiten von Erkenntnis.
Zum Thema
In „Der Verdacht“ geht es nicht darum, herauszufinden,
wer der Mörder ist, sondern darum, ob und wie Kommissar Bärlach wieder
aus der Falle kommt, in die er hineingeraten ist. Er hat eine Operation
überstanden, und man nimmt an, dass er noch ein Jahr leben wird. Er
liegt im Salemspital in Bern und liest symbolischerweise in der
Zeitschrift „Life“. Ein Bild erweckt den Verdacht seines Arztes – dass
nämlich der berüchtigte Arzt Nehle, der im Konzentrationslager Stutthof
ohne Narkose operierte, mit Dr. Emmenberger, dem Vorsteher einer Zürcher
Privatklinik, identisch sei. Bärlach hätte allen Grund, anderen die
Prüfung dieses Falles zu überlassen: erstens ist er jetzt pensioniert,
und zweitens hätte er wohl ein Recht darauf, sein letztes Lebensjahr in
Ruhe zu genießen. Es ist keine moralische Verpflichtung, die ihn treibt,
sondern ein unbändiger Trotz, „in dieser Welt zu bestehen und für eine
andere, bessere zu kämpfen, zu kämpfen auch mit diesem jammervollen
Leib, an welchem der Krebs fraß“. In der besten Tradition der „tough
private eyes“.
Den Zuschauer zum Denken anregen
Mit seinen Werken wollte Dürrenmatt die Zuschauer aus
ihrer passiven Rolle herausreißen. Indem er verfremdete, hinterfragte
und die Widersprüchlichkeit unserer Gesellschaft aufdeckte, wollte er
die Zuschauer zum Denken anregen. Unbequem, provokant, gescheit, grotesk
– das sind Begriffe, die Dürrenmatts stilistischen Zugriff
charakterisieren. Zitate wie „Wer das Scheitern nicht wagt, soll die
Hände von der Kunst lassen“, „Vaterland nennt sich der Staat immer dann,
wenn er sich anschickt, auf Menschenmord auszugehen“ oder „Niemand köpft
leichter als jene, die keine Köpfe haben“ zeigen Dürrenmatts direkte,
fast zynische Ausdrucksweise gegenüber den Schwachstellen der
Gesellschaft. Dürrenmatt fordert vom Zuschauer mehr, er zwingt ihn oft
in die aktive Rolle der Selbstreflexion, er erwartet ein Mitdenken, so
wie seine Theaterstücke von den Schauspielern ein Feingefühl für seine
Figuren fordern, damit der Zuschauer „dran“ bleibt, mitgeht und sich mit
dem Stück auseinandersetzt. „Der Verdacht“ ist daher als Theaterstück
bestens geeignet, diesem Anspruch gerecht zu werden, denn der Stoff ist
an apokalyptischer Dramatik kaum mehr zu überbieten.
Besetzung
| KOMMISSAR HANS
BÄRLACH |
ULRICH VON BOCK |
| DR. FRITZ
EMMENBERGER |
MANFRED H.
GREVE |
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DR.
LUTZ,
POLIZEIBEAMTER |
REINHARD
HORRAS |
| FRAU DR. EDITH
MARLOK |
ANDREA
GLOGGNER |
| DR. SAMUEL
HUNGERTOBEL |
RIMBERT
SPIELVOGEL |
| GULLIVER, EIN
JUDE |
ROBERTO WIDMER |
| FORTSCHIG,
SCHRIFTSTELLER |
KARL KORTE |
| OBERSCHWESTER LINA |
INGRID RICHTER |
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RECHTE: DIOGENES VERLAG, ZÜRICH
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ULRICH VON BOCK
"KOMMISSAR BÄRLACH"

ANDREA GLOGGNER
"FRAU DR. MARLOK"

MANFRED H. GREVE
"DR. EMMENBERGER"

REINHARD HORRAS
"DR. LUTZ"

ROBERTO WIDMER
"GULLIVER"
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Manfred H. Greve, Sülldorfer
Kirchenweg 78, 22587 Hamburg, Tel.: 0 40 / 8 66 36 01, Fax: 0 40 / 86 95 04
E-Mail: theater.greve@t-online.de
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